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Gewalt und Trauma:
Direkte und transgenerationale Folgen für Individuen, Bindungen und Gesellschaft
- Kriegsenkel, Kinder aus neuen Kriegen, Betroffene familiärer und institutioneller Gewalt -



32. Jahrestagung der Gesellschaft für Psychohistorie und politische Psychologie (GPPP)
13. - 15. April 2018, Göttingen
gefördert aus dem Nachlass von Alexander-Eickhoff


ZUM TAGUNGSTHEMA

Trauma und Traumaschatten

Bei Kindern von Kriegskindern des Zweiten Weltkriegs, auch "Kriegsenkel" genannt, sind häufig bestimmte Belastungen zu finden, die sich teilweise auf eine transgenerationale Vermittlung von Traumata aus der NS- und Kriegszeit zurückführen lassen. Dazu gehören eine Rollenumkehr zwischen Eltern und Kindern und diffuse Gefühle der Heimatlosigkeit, des Nicht-Angekommen- und Nicht-Angenommenseins, Bindungsprobleme sowie fehlendes Selbstwertgefühl. Auf einer Tagung mit dem Titel "Die Kinder der Kriegskinder", die wir 2012 in Göttingen organisiert hatten, standen diese Betroffenen mit ihren Sekundär-Traumatisierungen ("Traumaschatten") im Fokus. Die neue Tagung soll diese Thematik vertiefen und gleichzeitig verbreitern.

Schwerpunktthemen

- Natur und Folgen eines psychischen Traumas, Auswirkungen auf Bindungsfähigkeit, Selbstwertgefühl, Sozialverhalten, berufliche Chancen, Suizidalität, Delinquenz, chronische Erkrankungen etc.

- Bezüge zwischen Traumatisierung von Kindern und unsicheren oder desorganisierten Bindungsmustern, Wirkungen auf Bindungen im Erwachsenenalter

- Gewalterfahrungen und Traumata in der DDR und ihre Auswirkungen

- Gesellschaftliche und politische Auswirkungen des Sekundärtraumas der Kinder der Kriegskinder des Zweiten Weltkriegs ("Kriegsenkel"-Generation), ihrer früh geübten Rollenumkehr gegenüber Älteren und ihres Mangelsyndroms

- Welche Traumatisierungen haben die heutigen Flüchtlinge, die Schutz und eine Lebensperspektive in Europa suchen, erlitten, und wie können wir - auf der Grundlage unserer eigenen historischen Erfahrungen - ihnen mit Unterstützung und Anteilnahme begegnen? Wie gehen wir mit eigenen Widerständen und Ängsten um, wenn die Begegnung mit den akut Traumatisierten Verdrängtes aus der eigenen Familiengeschichte wieder hochkommen lässt?

- Seit 2010 hat der "Missbrauchsskandal", die weit verbreitete Ausübung sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen, immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Warum sprechen viele Betroffene erst jetzt? Besteht ein Zusammenhang zur gleichzeitig stattgefundenen Bewusstwerdung der Trauma-Geschichte der Kinder der Kriegskinder? Ist die sexuelle Ausbeutung der Jüngeren einfach die extreme Form der einseitigen Inanspruchnahme von deren Lebensenergie durch psychisch früh blockierte Ältere - eine kranke Konstellation, die in vielen Familien mit Trauma-Vergangenheit vorhanden ist?

- Wie prägt die "Gefühlsgeschichte" unserer Eltern und Großeltern unser eigenes Befinden und Urteilen?

- Wie wirken abgespaltene Trauma-Schatten aus der Kindheit in uns weiter und verleiten uns zu irrationalem Agieren, auch auf der politischen Ebene - ein Agieren des "Fremden in uns" (Arno Gruen)?


ORGANISATORISCHES

Tagungsprogramm

Freitag, 13. April 2018

16:00 Heike Knoch und Winfried Kurth
Begrüßung und Einführung

16:05 Kris Hauf
Sabine Behrens (1951-2015)

16:20 Hanna Rochlitz
Alexander Eickhoff (1972-2016)

16:35 Heinrich Reiß
Begrüßung seitens der GPPP

16:45 Winfried Kurth und Heike Knoch
"Gesellschaftliche Wirkungen des Sekundärtraumas, oder: Warum die Kriegsenkel so wenig öffentlich präsent sind"

17:45 Pause

18:00 Hartmut Radebold
"Spurensuche eines Kriegskindes" (Lesung) (bis ca. 19:30)

Samstag, 14. April 2018

09:00 Ines Geipel
"Die Unmöglichkeit zu trauern. Warum sich der Osten nicht von seiner Gewalt lösen kann"

10:00 Andreas Huckele
"Sexualisierte Gewalt als Kulturphänomen Von der Tragödie zum Drama"

10:45 Pause

11:00 Ulrich Lamparter
"Seelische Folgen des 'Hamburger Feuersturms' (1943) durch die Generationen. Erfahrungen und Ergebnisse aus einem interdisziplinären Forschungsprojekt"

12:00 Angela Moré
"Traumatische Verstrickungen zwischen Generationen. Das unbewusste Erbe von Kriegs- und Täterenkeln im interkulturellen Vergleich"

12:45 Mittagspause

14:00 Thorsten Heese
"Kommunikativ erinnern. Kollektive Arbeit mit Kriegskindern und Kriegsenkeln im Museumsquartier Osnabrück"

14:45 Göttinger Gesprächskreis
Autobiografische Podiumsrunde über die Folgen der NS-Zeit und des Zweiten Weltkriegs für die Kriegsenkel

15:45 Pause

16:15 Christoph und Gundel Seidler
"Spuren des Krieges führen bis ins dritte Glied. Ist dann endlich Schluss?"

17:15 Uwe Langendorf
"Straßenbahn zum Sultanspalast. Machtkonzentration und Restitution als Traumabewältigung am Beispiel der Türkei"

18:00 Pause

18:15 Mitgliederversammlung GPPP

Sonntag, 15. April 2018

09:00 Thomas Nowotny
"Unbegleitete Minderjährige: Weiter im Fluchtmodus?"

10:00 Sabine Schrader
"Inner Safety ein Projekt zur Hilfe bei der Erhaltung bzw. Wiederherstellung der inneren Sicherheit für Menschen"

10:45 Pause

11:00 Michaela Huber
"Schweigen, Wiederholen, Reinszenieren: Wie unverarbeitete Traumatisierungen weiterwirken"

12:00 Ludwig Janus
"Psychohistorische Überlegungen zur Herausentwicklung aus dem Schlachthaus der Geschichte"

12:45 Schlussworte der Veranstalter und Abschlussdiskussion (Ende ca. 13:00 Uhr)



Wissenschaftliche Leitung und Organisation
Heike Knoch und Prof. Dr. Winfried Kurth
Herzberger Landstr. 85, 37085 Göttingen
E-Mail wk(at)informatik.uni-goettingen.de

Tagungsort
Universität Göttingen
Tagungszentrum am Wilhelmsplatz
Adam-von-Trott-Saal, Wilhelmsplatz 2, Göttingen (Innenstadt)

Zertifizierung für PsychotherapeutInnen und ÄrztInnen
Die Annerkennung der Tagung wird bei der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen (www.pknds.de) beantragt.

Kosten
bis 28.02.2018:
Tagungsgebühr (Standard) 60,- Euro
Mitglieder der GPPP 50,- Euro
Ermäßigt* 25,- Euro
Tageskasse:
Tagungsgebühr (Standard) 70,- Euro
Mitglieder der GPPP 60,- Euro
Ermäßigt* 30,- Euro
Halbtagesblock 20,- Euro
Halbtagesblock (ermäßigt) 10,- Euro
Lesung am Freitagabend 8,- Euro

* Ermäßigung für Studierende, SchülerInnen, Arbeitslose, Auszubildende und Menschen mit geringem Einkommen (unter 800 Euro / Monat).
In der Teilnahmegebühr sind Pausengetränke, -gebäck und ein Mittagsbuffet enthalten.

Anmeldung
Durch Überweisung der Tagungsgebühr bis spätestens 28.02.2018 auf das Konto "Gesellschaft für Psychohistorie und Politische Psychologie (GPPP) e.V.",
IBAN: DE22 6725 0020 0004 2525 78,
BIC: SOLADE21HDB (Sparkasse Heidelberg),
Kennwort: Tagung Göttingen 2018,
sowie schriftliche Anmeldung bei:
 Heike Knoch und Winfried Kurth
 Herzberger Landstr. 85, 37085 Göttingen
 E-Mail wk(at)informatik.uni-goettingen.de.

Abstracts der Vorträge und Kurzbiografien der ReferentInnen (pdf-Datei)

Programmflyer zum Ausdrucken (pdf-Datei)

 

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Sandkrughof
Letzte Änderungen: 11. 12. 2017.